Schieder-Schwalenberg anno dazumal – kleines Häppchen Geschichte XX
Vor 95 Jahren wurde Jakob Wedel geboren
Der Bildhauer Jakob Wedel hat in Schwalenberg viele Spuren hinterlassen. Am 24. Juli 1931, also vor 95 Jahren wurde er als drittes Kind einer Deutschen Familie im kirgisischen Dorf Bergtal geboren. Sein Vater wurde 1942 vom sowjetischen Regime verhaftet und starb unter den grausamen Bedingungen der Zwangsarbeit. Seite Mutter wurde ebenfalls in ein Arbeitslager deportiert. Sieben seiner Onkel wurden ermordet. Jakob Wedel war zusammen mit seinen vier Geschwistern im Alter zwischen vier und 14 Jahren im folgenden Hungerwinter auf sich allein gestellt.
Sein künstlerisches Talent verknüpfte er mit seiner beruflichen Tätigkeit als Tischler. Zu beachten ist dabei, dass auch die Kunst im sowjetischen System unter staatlicher Kontrolle standen, was zu einer inneren Zerrissenheit Wedels führte.
1979 stellte Wedel seinen ersten Ausreiseantrag und es dauerte bis 1988, um endlich mit seiner Frau in die Bundesrepublik Deutschland zu kommen. Bereits ein Jahr später erhielt er ein
Schwalenberg-Stipendium. Jakob Wedel fühlte sich wohl in Schwalenberg und blieb. „Einen unvergesslichen Eindruck hat
bei mir Schwalenberg hinterlassen,
ein wunderschönes Städtchen in einem faszinierenden Erdwinkel,
wo alles eine märchenhafte Stimmung in mir weckte – die prachtvolle Natur, die Architektur der Jahrhunderte, die schmalen, mit Naturstein gepflasterten Straßen.
Was mir aber besonders guttat, waren die freundlichen, immer hilfsbereiten Schwalenberger.“
Sein Atelier hatte er in der Alten Torstraße 20, an dessen Fassade er Reliefportraits von Schwalenberger Künstlern anbrachte. Ins Auge fallen natürlich auch der Gänsebrunnen und die schöne Schwalenbergerin sowie eine Büste von ihm. Auch fertigte er eine Plastik des Nachtwächters Willi Planke. Einige seiner Kunstwerke sind heute im Besitz der Schwalenberger Bürgerstiftung.
Jakob Wedel starb 2014 nur eine Woche nach seinem 83. Geburtstag.
